Tschernobyl – Neue sichere Endlagerung – „New Safe Confinement“

Nachdem Tschernobyl am 26. April 1986 eine nukleare Katastrophe erfuhr, umhüllten Freiwillige das Atomkraftwerk mit einem Sarkophag aus Beton und Stahl. Dreissig Jahre danach wurde Tschernobyl neu „bestattet“.

Chernobyl after the ultimate MCA
Denkmal in Tschernobyl zur Erinnerung an die nukleare Katastrophe

Die ersten Endlagerungsmassnahmen

Dieser rudimentäre Sarkophag aus Beton und Stahl diente dazu, die Radioaktivität zu konservieren. Dadurch wird effizient ein Deckel über das ehemalige Atomkraftwerk gehalten und verhindert, dass Strahlung in die Atmosphäre gelangt. Dies soll ebenfalls eine radioaktive Wolke über Europa und darüber hinaus verhindern, wie sie nach der ersten Explosion des Kraftwerks entstand. Der Sarkophag in Tschernobyl drohte zu kollabieren. Daher musste er bereits vor einigen Jahren verstärkt werden. Ohne einen Austausch der Hülle bestand die Gefahr, dass radioaktive Staubteilchen und Partikel erneut in die Atmosphäre geschleudert würden, wodurch sich eine zweite Katastrophe ereignen könnte.

Ein gigantisches Projekt für einen neuen Sarkophag

Dreissig Jahre später gibt es einen neuen Plan, einen gigantischen Edelstahlbogen mit dem Namen  „New Safe Confinement“ zu errichten. Dieser Edelstahlbogen wird über den Reaktor geschoben. Er wird von einem Konsortium globaler Geldgeber finanziert und errichtet und bildet eine Hülle, um 5,5 Tonnen radioaktives Material einschliesslich Borsäure, Blei und Sand sowie 220 Tonnen Uran, instabile Isotope und tausende Tonnen Beton und Stahl einzuschliessen. Dieses Ausmass an Kontamination einzugrenzen, ist zweifelsfrei eine enorme Mammutaufgabe und unerlässlich. Überwacht von Nicolas Caille, Projektdirektor für Novarka, wird das französische Konsortium ein 2,1-Milliarden-Euro-Projekt aus Stahl leiten, das 110 Meter hoch, 165 Meter lang und 260 Meter breit ist.

New Safe Confinement in Chernobyl
Der baufällige Sarkophag in Tschernobyl wird ersetzt

Foto By Tim Porter – Own work, CC BY-SA 3.0

Lösungen gemäss dem Stand der Technik

Die neue sichere Endlagerung wird viele Neuerungen aufweisen. Zum Beispiel wird sie das grösste von Menschenhand geschaffene Objekt sein, das als Einheit bewegt wird. Teflonbeschichtete Schienen werden sie an ihren Platz ziehen. Ziel des New Safe Confinement ist es, feste Abfallmasse innerhalb der Stahlstruktur einzuschliessen. Dieses Lufthangar-Gebilde wird aus kilometerlangen Edelstahlprofilen bestehen und über 13 Bögen und zwölf Kammern verfügen.
Röhrenförmige Stahlbögen werden die Struktur tragen und aussen mit dreischichtigen Verbundplatten verkleidet. Speziell erwärmte trockene Luft wird im Spalt zwischen den äusseren und inneren Dachschichten zirkulieren, um Korrosion zu verhindern. Der Bau des New Safe Confinement läuft bereits seit März 2004. Es wurde entwickelt, um die derzeitige Schutzhülle zu umfassen, die den Sarkophag über dem Kernreaktor 4 bildet. Mehradrig verdrillte Stahlkabel werden die Struktur auf Schienen nach vorne ziehen. Dadurch werden Störungen des umliegenden Bodens oder des Grundwasserspiegels minimiert.

Lang andauernde Ausführung

Ein Teil der Arbeiten umfasst die Demontage einiger Abschnitte des ursprünglichen Sarkophags in Tschernobyl. Diese sind korrodiert und instabil. Dadurch soll der Standort zukunftssicher gemacht und gewährleistet werden, dass das NSC jeglichen radioaktiven Abfall für die nächsten einhundert Jahre einschliesst. Seit April 2016 sind die Hauptbögen bereits fertiggestellt. Die Fertigstellung der Edelstahl- Mehrschichtwände ist für August 2017 vorgesehen. Mit einem Gewicht von 30.000 Tonnen musste das Dach des NSC in eine Höhe von dreissig Metern angehoben werden. Arbeiter ergänzten ausserdem ein weiteres Paar Stützen, bis die Struktur eine Höhe von 110 Metern erreichte.
Interessanterweise waren die verwendeten Hebevorrichtungen ursprünglich dafür vorgesehen, das Atom-U-Boot Kursk im Jahr 2011 aus seinem wässrigen Grab in der Barentssee zu bergen.

Working on site in Chernobyl
Sarkophag aus Edelstahl in Tschernobyl

Foto By Tim Porter – Own work, CC BY-SA 3.0

Menschen werden weiterhin an der Baustelle gebraucht

Die Koordination ist entscheidend, um einen reibungsfreien Ablauf des Prozesses zu gewährleisten. Wenn die Zugkraft auf einer Seite grösser ist als auf der anderen, wird die gesamte Struktur stärker belastet. Dies kann zu Verwindungen, Spannungen oder Stauchungen führen, welche die Konstruktion schwächen würden. Unstrittig ist, dass die grösste Herausforderung bei der Fertigstellung des Projekts die personellen Ressourcen darstellen. Lediglich zwölf Minuten Arbeitszeit am NSC reichen aus, um für einen Arbeiter das jährliche Strahlenexpositionslimit zu erreichen. Die Kosten für das Projekt sind zweifellos ausserordentlich hoch. Dennoch stehen sie in keinem Verhältnis zu den Kosten, die entstehen würden, wenn der ursprüngliche Sarkophag versagen sollte.

Schweizer Edelstahl-Profile für Tschernobyl

Auch Montanstahl partizipierte an diesem gewaltigen Projekt. Einige Mengen struktureller Standardprofile aus Edelstahl wurden in der Schweiz hergestellt. Dank der Laserschweisstechnologie von Montanstahl war es möglich, binnen kürzester Zeit Edelstahl-Träger und U-Profile in Längen grösser als 12,4 Meter zu fertigen und zu liefern.

Last update: 28 Sep. 2026

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