Tschernobyl – Neue sichere Endlagerung – „New Safe Confinement“

PUBLISHED 31 Mai 2017

Nachdem Tschernobyl am 26. April 1986 eine nukleare Katastrophe erfuhr, umhüllte ein Sarkophag aus Beton und Stahl die Einheit 4 der Atomanlage. Dreißig Jahre danach wurde Tschernobyl neu „bestattet“.

Tschernobyl nach dem Super-GAU

Denkmal in Tschernobyl zur Erinnerung an die nukleare Katastrophe

Die ersten Endlagerungsmassnahmen

Dieser mittlerweile verkümmerte Sarkophag aus Beton und Stahl diente in Tschernobyl dazu, die Radioaktivität zu konservieren. Weiterhin wird effizient ein Deckel über das ehemalige Atomkraftwerk gehalten, um zum einen das Ausströmen in die Atmosphäre zu verhindern. Zum anderen soll er aber auch radioaktive Wolken über Europa unterbinden, wie es nach der ersten Explosion geschah. Besagter Sarkophag drohte zu kollabieren und sollte folglich bereits seit einigen Jahren verstärkt, bzw. ersetzt werden. Ohne Austausch bestand die Gefahr, dass radioaktive Staubteilchen und Partikel in die Atmosphäre geschleudert würden, wodurch sich eine zweite Katastrophe ereignen würde.

Ein gigantisches Projekt für einen neuen Sarkophag

Dreißig Jahre später gibt es einen neuen Plan, einen gigantischen Edelstahlbogen mit dem Namen „New Safe Confinement“ zu errichten. Dieser neue Bogen wird über den Reaktor eingepasst. Er wird gesponsert und errichtet von einem Konsortium globaler Geldgeber. Der Sarkophag wird einen Deckel bilden, um 5,5 Tonnen radioaktives Material, Bohrsäure, Blei und Sand sowie 220 Tonnen Uran, instabile Isotope und tausende Tonnen Beton und Stahl einzuschließen. Dieses Ausmass an kontaminiertem Gut einzugrenzen, ist zweifelsfrei eine enorme Mammutaufgabe. Überwacht von Nicolas Caille, Projektdirektor für Novarka, wird das französische Konsortium ein 2,1-Milliarden-Euro-Projekt leiten. Dieses ist in Massen 110 Meter hoch, 165 Meter lang und 260 Meter breit.

New Safe Confinement in Tschernobyl

Der baufällige Sarkophag in Tschernobyl wird ersetzt

Foto By Tim Porter – Own work, CC BY-SA 3.0

Lösungen gemäss dem Stand der Technik

Die besagte Endlagerung wird viele Neuerungen haben. Es ist zum Beispiel das grösste, von Menschenhand geschaffene Objekt, das sich verbunden bewegt. Es wird außerdem auf teflonbeschichteten Schienen geführt. Ziel der neuen Hülle ist es, feste Abfallmasse innerhalb der Stahlstruktur einzuschließen. Dieses Lufthangar-Gebilde wird dabei aus kilometerlangem Edelstahl sein und über 13 Bögen und zwölf Kammern aufweisen. Röhrenförmige Bögen unterstützen so die Baustruktur und werden von aussen mittels dreischichtigen Verbundplatten verkleidet. Weiterhin wird speziell erwärmte Luft im Spalt zwischen den äusseren und inneren Dachplatten zirkulieren, um einer Korrosion entgegenzuwirken. Der Bau des New Safe Confinement Grabs läuft bereits seit März 2004. Sie wird entwickelt, um die derzeitige Struktur zu unterstützen, die den Sarkophag über dem Reaktor 4 bildet. Mehradrig verdrillte Stahlkabel werden schließlich die Struktur auf Schienen ziehen, um Störungen im Umfeld für den Grundwasserspiegel zu minimieren.

Lang andauernde Ausführung

Ein Teil der Arbeiten bedarf die Demontage einiger Abschnitte des mittlerweile rostigen und instabilen Original-Sarkophags. Das soll das Konstrukt zukunftssicher machen und dabei zielsicher garantieren, dass jeglicher radioaktiver Abfall für die nächsten einhundert Jahre eingedämmt ist. Seit April 2016 sind die Hauptbögen bereits fertig gestellt. Angedacht ist die Vollendung der Edelstahl-Mehrschichtwand für August 2017. Mit einem Gewicht von etwa 30.000 Tonnen musste das Dach des NSC in einer Höhe von dreißig Metern aufgebaut werden. Außerdem wurden weitere Verzweigungen ergänzt, so dass die Struktur am Ende bis zu 110 Meter in die Höhe ragt. Interessanterweise waren die für das Projekt verwendeten Hebevorrichtungen ursprünglich für die Anhebung des Atom-U-Boots Kursk aus seinem wässrigen Grab der Barentssee in 2011 vorgesehen.

Bauarbeiten in Tschernobyl

Sarkophag aus Edelstahl in Tschernobyl

Foto By Tim Porter – Own work, CC BY-SA 3.0

Menschen werden weiterhin an der Baustelle gebraucht

Die Koordination vor Ort ist entscheidend, um einen reibungsfreien Ablauf beim Bauprozess zu gewährleisten. Wenn die Zugkraft auf einer Seite grösser als auf der anderen ist, könnte die ganze Struktur unter grösserem Druck platziert werden. Das hat zur Folge, dass spannungsreiche Verwindungen oder Stauchungen verursacht werden. Somit würden diese das Konstrukt erheblich schwächen. Unstrittig ist, dass die grösste Herausforderung bei der Konstruktion die personellen Ressourcen darstellen. Sie sind jedoch nötig, um das Projekt erfolgreich abzuwickeln. Lediglich zwölf Minuten Arbeitszeit am Verrichtungsort reichen aus, um für den Arbeiter das Jahrespensum an Aussetzung an radioaktiver Strahlung zu erreichen. Die Kosten für das Projekt sind sicherlich ausserordentlich. Dennoch gäbe es keinen Vergleich zu den Kosten, die anfielen, würde der alte Sarkophag gänzlich versagen.

Schweizer Edelstahl-Profile für Tschernobyl

Auch Montanstahl partizipierte an diesem gewaltigen Projekt. Einige Mengen struktureller Standardprofile in Edelstahl wurden in der Schweiz hergestellt. Dank der Lasertechnologie war es Montanstahl möglich, binnen kürzester Zeit Edelstahl-Träger und U-Profile in Längen grösser als 12,4 Meter zu fertigen und zu liefern.

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